Der Oktober ist schon halb durch, in den Bergen fällt schon der erste Schnee und auch in den tieferliegenden Gebieten befassen wir uns jetzt verstärkt mit dem Thema Skitouren. Daher haben wir versucht herauszufinden, was eigentlich für uns die beste Skitour der vergangenen Jahre war. Aber das ist so eine Sache mit der einen besten Tour, weil eben im Laufe der Zeit immer wieder neue Touren hinzukommen und viele davon einfach nahezu perfekt sind. Von daher fällt es uns nicht gerade leicht, eine Skitour als die derzeit beste zu bezeichnen. Aber dennoch gibt es sie natürlich.

Warum unsere Wahl der Lieblingsskitour trotz großer Konkurrenz auf das Gschnitztal fällt

Auf der Suche nach unserer persönlichsten Lieblingsskitour ist die Auswahl der letzten Jahre wirklich groß. Aber oh Wunder, das Rennen macht keine Skitour in Norwegen und auch keine auf Island oder im Valle Maira. Ja, das mag vielleicht komisch klingen, denn besonders die Touren in Skandinavien sind seit Jahren in aller Munde und gehören sicher auch zu den Highlights unter Skifahrern. Die Abfahrten dort direkt hinunter zum Meer begeistern in Norwegen schlichtweg jeden. Aber es gehört halt mehr dazu, um am Ende zu den Besten zu gehören. Und so hat bei uns die Skitour auf den Hohen Zahn (italienisch: Dente Alto – 2.924 m) im Bergsteigerdorf Gschnitztal geworden. Eine tolle Skitour in Tirol, wie wir sie nicht für möglich gehalten haben.

Mit seinen 2.924 m ist der Hohe Zahn wahrlich kein Riese, aber dennoch hat er es in sich. Die Ausblicke reichen von der Zugspitze und dem Bettelwurf im Norden, über die Drei Zinnen und die Tofane im Süden, bis hin zum direkt gegenüberstehenden Pflerscher Tribulaun. Auch die Brenta lässt sich blicken, der Blick reicht also bis nach Norditalien. Das alleine ist jedoch nicht alles, weshalb wir den Hohen Zahn zum derzeit besten Skitouren-Gipfel gekrönt haben. Schließlich haben wir viele Touren in Norwegen, in den Dolomiten (zum Beispiel die Skitour im Bergsteigerdorf Lungiarü) oder auch Touren in der Schweiz in der Surselva in Vals oder in Graubünden in sehr sehr guter Erinnerung. Die Skitouren im Lechtal vor unserer Haustür oder auch die Skitouren im Valle Maira sind ja alles andere als fad. Es ist die Gesamtheit dieser Tour, die uns einfach überzeugt hat. Vielleicht war es aber auch der erste negative, schneearme Eindruck…

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Ankunft ohne Schnee: Ein holpriger Anfang für unsere Lieblingsskitour

Wir wählen also das Gschnitztal und den Ort Trins aus, um unser Glück auf zwei Brettern zu finden. Der Grund für diese Wahl war einfach: Zum Zeitpunkt unserer Tour (Ende Januar 2020) liegt im Gegensatz zu unseren anderen Reisezielen dort sehr viel Schnee. Eine gute Wahl also, denken wir uns. Falsch gedacht, denn es schneit dann bis zu unserer Anreise Anfang März überhaupt nicht mehr und so reisen wir verständlicherweise mit gemischten Gefühlen an. Vom Allgäu ist es nicht weit und wir sind ca. zwei Stunden später vor Ort und gänzlich ernüchtert, denn es liegt kaum Schnee im Gschnitztal. Unsere Erwartungshaltung wird also – leider – vollumfänglich erfüllt. Wir übernachten im Wienerhof in Trins. Zugegeben die Lage ist nicht ganz optimal, wir könnten zwar die Skier direkt vor dem Gasthof anziehen, aber dann stünden wir auf dem Asphalt. Dennoch hat die Lage ihre Vorteile, denn ein Auto brauchen wir hier nicht: Der Bus hält direkt vor dem Eingang. Besonders wichtig vor und nach dem Skifahren: Das Frühstück dort ist hervorragend und auch die abendlichen Menüs sind sehr schmackhaft. Was wollen wir hier, denken wir uns und beziehen erst einmal etwas ernüchtert unsere Zimmer. Eine Stunde später stehen wir jedoch nur wenige Kilometer weiter Tal einwärts im Schnee. Um uns herum ist alles weiß. Leider nicht der ersehnte Neuschnee, um eine Powderabfahrt zu wagen, aber immerhin. Wir unternehmen eine kleine Skitour, um uns wenigsten ein wenig zu bewegen. Und siehe da: Gar nicht schlecht! Wir können also hoffen. Am Abend beginnt es dann richtig zu schneien. Also heißt es am nächsten Morgen: nur 5 m laufen und auf den Bus warten, der uns ans Ende des Tales bringt. Halb hoch geht´s nach dem obligatorischen LVS-Check hinauf. Wir sind völlig allein, kommen aufgrund der Neuschneemenge und des nicht ganz optimalen Wetters nicht so weit, wie wir uns erhoffen. Macht nichts, denn seit heute liegt genügend Schnee.

Hoch auf den Hohen Zahn: ein atemberaubender Aufstieg

Nächster Morgen, nächstes Glück: Frühstücken, Ski aus dem Keller, 5 Minuten laufen, auf den Bus warten und los geht‘s auf den Hohen Zahn. Die ersten knapp 200 Höhemeter geht es sehr gemächlich dahin. Danach können wir fasst den ganzen Hang bis oben einsehen. Was für eine Freude. Unten reichliche 30 cm, oben an die 70 cm Neuschnee. Strahlender Sonnenschein, eine top Truppe und eine Lawinengefahr, die Begehungen des Riesenhangs guten Gewissens zulässt. So ziehen wir hinauf. Immer kälter wird es in diesem Riesenhang und selbst um 10 Uhr sind wir im Steilhang noch immer im Schatten. Im steilsten Bereich halten wir aus Sicherheitsgründen entsprechenden Abstand. Auf ca. 2.500 m sind wir dann wieder zusammen unterwegs und endlich auch in der Sonne. Der Blick in die Tiefe hinter uns lässt schon jetzt die Herzen höherschlagen. Aber wir steigen weiter auf bis zum Gipfel des Hohen Zahn auf 2.924 m Höhe. Was für eine traumhafte Rundumsicht! Schon der Aufstieg bei dieser Skitour hat sich auf jeden Fall gelohnt. Die Tribulaune zum Greifen nahe, die Dolomiten in der Ferne, angenehme Temperaturen – aber was ist das? Beim Umstellen der Skischuhe stellen Jochen und Carsten fest, dass sie die Schuhe des jeweils anderen anhaben. Festzustellen ist das nur durch den Mechanismus zum Verriegeln für die Abfahrt, denn ansonsten sehen die Schuhe komplett gleich aus. Kein Wunder also, wenn hier ab und an etwas verwechselt wird. Egal: kurz vor der Abfahrt vom Hohen Zahn, mitten im traumhaften Schnee, da wird jetzt nix getauscht – gleiche Schuhgröße, gleiche Bindung – das passt.

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Auch bei der Abfahrt gilt: Safety first und ab in den unberührten Hang

Nun steht sie nämlich endlich an: Die heiß ersehnte Abfahrt. Vom Aufstieg her wissen wir, uns bremst glücklicherweise kein Felsriegel, kein Waldgürtel oder sonst etwas aus. Wir könnten den Hang also komplett am Stück fahren. Aber nein, das lassen die Kräfte und auch das Bewusstsein für mögliche Gefahren am Hang nicht zu. Also fahren wir in Etappen, um auch immer wieder die Lawinengefahr in Betracht ziehen zu können, einen 1.400 m langen Hang bei bestem Schnee, ohne Wind und ohne schwierige Stellen hinab. Jeder zieht seine eigene Spur in den jungfräulichen Hang, was für ein Gefühl! Bereits unterwegs spüren wir, dass wohl keiner von uns jemals so einen Hang bei einer Skitour vorgefunden hat, brandneuer und unbefahrener Schnee für uns alleine. Das Grinsen wird immer breiter, die Gesichtszüge entspannen sich – ein Traum in Weiß wird war. Der Schnee fliegt uns während der Abfahrt ins Gesicht, so locker ist er noch. Teilweise fahren wir parallel und grinsen uns gegenseitig an, so gigantisch ist das Gefühl bei dieser Abfahrt. Nicht zu überhören sind da auch der ein oder andere Juchzer, aber wer soll uns schön schief anschauen. Denn das Beste dabei ist: Wir sind allein, völlig allein. Der Aufstieg war hart: 1.600 m im Neuschnee spuren kostet Kraft, viel Kraft. Aber die Mühe hat sich extrem gelohnt. Und nun stehen wir da nach 1.400 m Skitouren Abfahrt ohne Hindernisse, freuen uns und jubeln was das Zeug hält. Geführte Skitouren wie sie nicht alle Tage möglich sind. Perfekte Bedingungen: Bester Schnee, Top Truppe, Traumhaftes Wetter, völlig einsam – in einer super schönen Umgebung. Zugegeben: Skitouren in Norwegen oder den Dolomiten sind oft von der Landschaft her reizvoller. Aber bei dieser Tour hat einfach alles perfekt gepasst – und immerhin ist die Aussicht vom Hohen Zahn auch nicht zu verachten. Schließlich ist es ja auch eine völlig subjektive Sichtweise, was eine Lieblingsskitour zu so etwas Besonderem macht. Und wer weiß was uns im Jahr 2022 alles an Touren noch so erwartet.

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