Einmal zu Fuß und hautnah die Alpen erkunden und komplett zu überqueren: Das ist für manche ein langgehegter Traum und für andere bereits wahrgewordene Wirklichkeit.

Eine Alpenüberquerung zu Fuß, da kommen – egal ob Du Wiederholungstäter oder Greenhorn bist – immer wieder verschiedenste Fragen auf. In diesem ersten von drei Blogbeiträgen geben wir Dir wertvolle Tipps, damit Deine Wanderung über die Alpen von Erfolg gekrönt ist und richtig Spaß macht. Selbstverständlich sind viele Hinweise auch für andere Bergabenteuer nützlich und lassen sich auch auf andere Strecken und Wege anwenden. Richtig vorbereitet erwarten Dich beim Überqueren der Alpen idyllische Almen, urige Hütten, traumhaft gelegene Seen und gigantische Berggipfel bis hin zum Matterhorn und und und …

Im Teil 1 unserer Tipps und Fragen schauen wir, welche Jahreszeit am besten für eine Alpenüberquerung geeignet ist, welche Routen es gibt und worauf gerade beim Wetter zu achten ist. Neben der richtigen Vorbereitung ist natürlich das richtige Schuhwerk entscheidend, alles das beantworten wir im Folgenden. Weiter geht es dann in Teil 2 Planen der Alpenüberquerung und Teil 3 mit allem, was Du sonst noch vor der Wanderung wissen und vorbereiten solltest.

18 Tipps & Fragen rund um die Alpenüberquerung, im ersten Teil von Punkt 1 bis 6.

  1. Beste Jahreszeit
  2. Welche Route
  3. Richtige Vorbereitung
  4. Umgang mit Wetterphänomenen (Sonne / Kälte / Nässe)
  5. Der Schuh
  6. Orientierung
  7. Hütten
  8. Planung
  9. Buchung der Unterkünfte
  10. Zeitbedarf
  11. Rucksack und Inhalt
  12. Alpine Erfahrung
  13. Art der Unterkunft
  14. Zu früh am Ziel (Langeweile am Nachmittag)
  15. Knieschmerzen und Co.
  16. Wintereinbruch und jetzt?
  17. Bekanntes oder lieber einsam?
  18. Und nun - muss es wirklich die Alpenüberquerung sein?

1. Welche Jahreszeit ist am besten geeignet für die Tour?

Auf die Frage zu welcher Jahreszeit Du am besten auf deine Tour startest gibt es keine pauschale Antwort. Das Wetter ist im Spätsommer (September / Oktober) oft deutlich besser als im Juli und August – angesichts beträchtlich geringerer Gewittergefahr. Die Luft scheint klarer und die Sicht ist oft gigantisch. Dafür sind die Tage kürzer, die Dunkelheit setzt also schon früher ein. Morgens gibt es bereits häufig Frost und mittags wird es oft angenehm warm und nicht zu heiß, allerdings sind viele Hütten im Spätsommer bereits geschlossen. Altschneefelder finden sich oft nicht mehr – allerdings kann schon wieder der erste Schnee fallen (wobei das, wenn auch selten, auch im Hochsommer geschehen kann).

Deine Tour musst allerdings nicht zwangsläufig im Spätsommer/Herbst stattfinden, einige Alpenüberquerungen sind schon gut ab Ende Juni machbar. Dann sind jedoch oft noch Altschneefelder vorzufinden, die morgens oft unangenehm hartgefroren sein können und die Überquerung etwas beschwerlich machen können. Die Tage sind lang und tagsüber drohen recht häufig Gewitter – zweites kann unter Umständen ein ziemlicher Stressfaktor sein.

Hinzu kommen die Ferien, welche Du auch bei der Frage, welche Jahreszeit am besten geeignet ist, auch berücksichtigen solltest. Je nachdem welches Land oder Bundesland gerade noch oder schon Ferien hat, wirkt sich das auf die Zahl der Wanderer aus und wie überbevölkert deine Route dann ist. Vor allem die Ferien in Bayern, Österreich und der Schweiz sind hier entscheidend, aber auch die restlichen deutschen Bundesländer können sich hier bemerkbar machen.

Du selbst musst den idealen Kompromiss für Dich finden. Persönlich mögen wir den September am liebsten, da er zusammenfassend betrachtet der beste Monat ist.

Ganz klar möchten wir aber auch Oktober und November hervorheben, diese beiden Monate sind bei gutem Wetter oft hervorragende Wandermonate. Gerade für niedrigliegende Touren in Südtirol oder Tagestouren vom Gasthof / Hotel aus ist dieser Zeitraum ideal.

2. Welche Route ist am besten geeignet und worauf kommt es an?

Die Frage, welche Route am besten für deine Tour geeignet ist, lässt sich schon etwas leichter beantworten. Allen gemein ist, dass ein Großteil der Alpenüberquerungen, welche von Nord nach Süd führen, etwa eine Woche in Anspruch nehmen. Andere Fernwanderwege überqueren die Alpen auch von Ost nach West, diese Touren dauern dann eher Monate statt Wochen, sind also eine deutlich längere Angelegenheit. Folgende Fragen kannst Du Dir selbst stellen, wenn es um die Wahl der Wanderroute über die Alpen geht:

  • Ist es meine erste Wanderwoche/längere Wanderung in den Bergen?
  • Wie steht es um meine alpine Erfahrung?
  • Wie fit bin ich (ehrliche Einschätzung)?
  • Wie viel Zeit habe ich zur Verfügung?
  • Bevorzuge ich es klassisch auf Hütten oder übernachte ich lieber komfortabler?

Je mehr Erfahrung und Fitness Du mitbringst, desto eher kannst Du eine reine Hüttentour wie den E5 von Oberstdorf nach Meran oder die Variante vom Königssee zu den Drei Zinnen wählen. Solltest Du es lieber komfortabel mögen, dann ist vielleicht die Route vom Tegernsee nach Sterzing etwas für Dich. Wenn die Einsamkeit im Fokus steht, sind die Schweizer Alpenüberquerungen womöglich perfekt.

3. Richtig vorbereitet für Deine Wanderung über die Alpen

Vielleicht fragst Du Dich, ob Du bereits fit genug für die ganz große Tour bist, dann ist ein wenig Training im Rahmen unserer Vorbereitungstouren eine gute Idee. Gerade der beliebte E5 wird häufig so beworben, als könnte ihn so gut wie Jeder gehen. Dem ist leider nicht so. Gerade am E5 brechen relativ Viele ganz ab oder setzen für einen Tag aus, weil sie von der Tour unerwartet überfordert sind. Der Weg ist trotz seiner Popularität anspruchsvoll. Je nach Jahreszeit und vorangegangenem Winter ist auf der Route außerdem auch mit recht vielen Schneefeldern zu rechnen. Auf jeden Fall sind eine ordentliche Kondition und Trittsicherheit nötig.

Nur, wenn Du fit bist, kannst Du die Tour auch wirklich genießen. Daher heißt es vorher oft Training, Training, Training – die Vorbereitung geht auch als Training zu Hause. Optimalerweise solltest Du Dich auch gesund ernähren, möglichst wenig Alkohol trinken und nicht rauchen. Zu einer guten Vorbereitung auf eine Tour über die Alpen gehört ehrlich gesagt meist auch ein gesundes Gewicht. Ein paar Kilogramm Körpergewicht sind nicht entscheidend. Aber mit 30 Kg zu viel kann eine Alpenüberquerung unter Umständen schon zur Tortur werden. Das solltest Du bei der Beurteilung deiner Fitness realistisch einschätzen.

4. Wetter und seine Folgen auf dem Weg über die Alpen

Das Wetter: ein elementarer Faktor auf dem Weg über die Alpen. Extreme Wetterwechsel sind in den Bergen häufiger anzutreffen als im Flachland oder in den Mittelgebirgen. Schon allein durch die Höhenunterschiede ergeben sich im Laufe des Tages deutliche Temperaturunterschiede. Bei wolkenlosem Himmel und trockener Luft sinkt die Temperatur um ca. 1 ° Celsius pro 100 Höhenmeter. Bei einer Alpenüberquerung sind Höhenunterschiede von 1.000 m am Tag üblich, auf dem Original E5 an einem Tag sogar 2.000 Höhenmeter. Hinzu kommt der tageszeitlich abhängige Anstieg, sodass die Schwankung an einem Tag zwischen dem tiefsten und höchsten Punkt schon mal 25 °C und mehr sein können (Bsp. E5: Seescharte ca. 2.600 m morgens im Schatten – später am Tag, Zams im Inntal auf 750 m in der Nachmittagssonne). Für diese Unterschiede solltest Du mit einer vernünftigen Ausrüstung gewappnet sein, am besten nutzt Du unser PDF Ausrüstungsliste Bergwandern.

Ein paar Punkte solltest Du immer beachten: Grundsätzlich musst Du Dich sehr vor der Sonne (Sonnenbrand / Sonnenstich) schützen. Hierzu gehören zumindest eine zeitweilige Kopfbedeckung und Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor. Die UV-Strahlung ist in der Höhe deutlich intensiver als im Flachland.

Des Weiteren ist in den Bergen mit heftigen Temperaturstürzen zu rechnen. 10-15 °C am gleichen Ort innerhalb eines Tages sind keine Seltenheit. Schnee auf 3.000 m ist auch im Hochsommer immer wieder möglich. Langanhaltend sind diese Schneefälle meist nicht, aber wenn es Dich „kalt“ erwischt und Du ungeschützt bist, dann hilft im Extremfall nur Umkehren. Sicherheit geht auf jeden Fall vor.

5. Das passende Schuhwerk für eine Alpenüberquerung

Viel wird über das richtige Schuhwerk geredet, geschrieben und diskutiert. Zahlreiche Anbieter erlauben ihren Gästen die Teilnahme an einer geführten Hüttentour nur, wenn Sie mit Schuhen der Kategorie B/C, die über den Knöchel ragen, zur Wanderung erscheinen. Muss das sein? Unserer Ansicht nach nicht. Diese hohen Schuhe verhindern angeblich ein Umknicken. Dem ist nach unserer Erfahrung jedoch nicht unbedingt so. Sicher ist, dass die Knöchel besser geschützt sind, sobald ein Stein Richtung Füße rollt. Richtig ist auch, dass die Wahrscheinlichkeit eines Umknickens reduziert wird. Eine Garantie gibt es allerdings nicht. Eine andere Theorie besagt wiederum, dass die Muskeln und Bänder besser trainiert werden, wenn mit flachen Schuhen gelaufen wird. Alles hat sein für und wider. Aus unserer Sicht sind sogenannte Zustiegsschuhe durchaus auch für respektables Alpentrekking geeignet. Solltest Du mit solchen oder ähnlichen Schuhen eine geführte Tour bei uns antreten wollen, möchten wir dies mit Dir gerne telefonisch zuvor kurz abklären, so gibt es kein böses Erwachsen am ersten Tourtag.

6. Orientierung in den Alpen: so klappt die Überquerung

Für alpine Wanderungen ist ein gutes Orientierungsvermögen elementar wichtig. Bei schönem Wetter ist dies oft einfach, die Wege sind gut markiert und Übergänge ins nächste Tal von weitem erkennbar. Aber auch nicht immer, es gibt Routen, da musst Du wegloses Gelände mit spärlichen Markierungen überwinden oder Schnee bedeckt den Weg und die Kennzeichnungen. Hier ist es wichtig, dass Du nicht vom Weg abkommst. Bei der Hüttentour zu den Drei Zinnen kann der Aufstieg zur Pfandlscharte schon mal über 1 Stunde lang durch Schnee führen. Hier heißt es stur auf der Route bleiben, denn rechts und links wird es gefährlich. Beim berühmten E5 gibt es kurz vor dem Pitztaler Jöchl einen sehr deutlichen Hinweis, dass der Weg links einzuschlagen ist, dennoch versuchen es immer wieder einige Wanderer rechts. Wenn dann noch Nebel aufkommt, kann es schnell kritisch werden. Hier und in vielen Situationen heißt es die Karten richtig lesen zu können. Wichtig ist auch: Nur weil Dir ein Wegabschnitt unüberwindbar vorkommt, nicht unüberlegt anderswo weiterzulaufen – denn Du weißt nicht, wie es danach weiter geht. Im Kopf muss immer ein Plan B berücksichtigt werden. Dieser lautet: Abbruch und Umkehr. Auf keinen Fall solltest Du Dich ausschließlich auf Dein GPS-Gerät oder Handy verlassen. Aufladen ist auf Hütten nicht immer möglich und bei Kälte sind die Akkus oft unerwartet schnell leer.

Es gibt also einiges zu bedenken vor dem Antritt einer Alpenüberquerung. Teil 2 beantwortet weitere Fragen und geben Dir Tipps zur Planung und den Unterkünften entlang des Wegs über die Alpen.

Hier geht es weiter zum 2. Teil unseres Ratgebers: Planen der Alpenüberquerung Teil 2