Gemeinsamkeiten und Erinnerungen schaffen beim Wandern mit Kindern

Kinder sind zu jeder Zeit neugierig, wollen forschen und entdecken - auf dem Spielplatz, im Garten und beim Wandern. Dieser Spaß ist unsere Chance als Eltern. Je „anspruchsvoller“ das Gelände, desto höher ist ihre Motivation. Ein fünfjähriges Kind schafft durchaus mal 3 Stunden, wenn es nicht langweilig wird. Ab 8 / 9 Jahren sind bereits deutlich längere Tagesetappen drin. Und sollten sie wirklich nicht mehr können – ihre Erholungszeit ist extrem kurz.

Was brauchen wir nun, damit das gelingt? Ganz einfach: eine gute Organisation und entsprechende Anreize. Folgende Informationen und Tricks verraten Euch, wie die Tour zum großartigen Familienerlebnis wird.

Wichtig ist, zunächst eventuell vorhandene negative Erinnerungen aus unserer Kindheit, die wir mit Wandern in Verbindung bringen, zu verbannen. Denn es geht anders.

  1. Wenig Wiederholendes unternehmen, es sei denn es handelt sich um ein lohnendes und gewolltes Ziel (zum Beispiel die Hütte mit Spielplatz).
  2. Spaziergänge meiden, da tut sich nichts und ist langweilig
  3. Die Blumen und Käfer finden sich oft auf einer Wiese. Einfach mal den Weg verlassen, da wo es erlaubt ist. Redet mit Euren Kindern über das, was sie sehen und was ihr entdeckt.
  4. Nicht wir Eltern geben den Weg komplett vor, die Kinder dürfen einen großen Teil mitbestimmen – schließlich ist nicht jeder für sich, sondern wir alle gemeinsam unterwegs.

Wandern mit der Familie: Den Alltag zu Hause lassen

Hektik haben wir gefühlt ständig. Die bleibt zu Hause. Das wichtigste draußen ist dann, dass wir gut organisiert sind und auch einen Plan B und evtl. sogar C in der Tasche haben. Wenn es um eine Wanderung mit Übernachtung geht, wählt bitte keinen normalen Gasthof oder eine Hütte am Abgrund. Ideal sind Hütten, in deren Umgebung sich die Kinder frei bewegen können, oder ein Hotel / Gasthof mit großem Angebot, um draußen etwas unternehmen zu können. Idealerweise liegen sie an einem See oder Fluss (Aufsicht!).

Zeit füreinander haben ist dabei ganz wichtig. Etappen von mehreren Stunden sind in Ordnung. Aber es muss genug Zeit zum Spielen, Kuscheln etc. bleiben. Diese gemeinsamen Erlebnisse führen oft dazu, dass unsere Kinder nicht mehr bockig und genervt, sondern aufgeschlossen, begeistert und stolz auf sich und ihre Eltern sind. Ihr werdet sehen, wie entspannend das sein kann.

Gemeinsam losziehen

Kinder unternehmen am liebsten was mit Kindern. Deshalb gibt es unsere Familienwanderungen auch erst ab 14 Teilnehmern. Da sind genügend Kinder garantiert und aufgrund der Begleitung von zwei Bergwanderführer*innen auch die maximale Sicherheit.

Das Beste für die Kinder ist Abwechslung. Es muss einfach ständig was passieren. Sie sehen nicht das Ziel, sondern die ständig wechselnden Abenteuer. So sollte idealerweise ein stetiger Wechsel der Landschaft, der Wege etc. stattfinden. Zugegeben ist so eine Routenplanung gerade bei Mehrtagestouren nicht leicht. Deshalb müssen dann die Etappen kürzer sein und andere Highlights wie ein Kaiserschmarrn herhalten./

Gute Routenplanung ermöglichen die Premiumwanderwege, wie zum Beispiel der Rheinsteig. Oft werden hier sehr viele Details beschrieben, die es uns leichter machen eine Mehrtagestour mit unseren Kindern zu planen. Einfach mal „Wandern mit Kindern“ in der gewünschten Region eingeben und schon erhaltet Ihr eine ganze Menge Tagestouren. Zu Mehrtagestouren - egal ob geführt oder individuell – findet sich jedoch nur sehr wenig. Wir sind einer der wenigen Anbieter mit geführten Familientouren im zentralen Bereich der Alpen

Technik zu Hause lassen

Das Handy und alles andere Technische brauchen Kinder in der Natur nicht. Die Natur ist schlicht spannender als die virtuelle Welt. Äste schnitzen, sich versuchen ohne GPS zu orientieren ist für Kinder Erlebnis genug. Und wenn dann noch ein kleines Feuer dazukommt oder ein Staudamm, dann ist der Tag gerettet. Was heißt das nun? Franz Beckenbauer hat mal gesagt: Geht´s raus, spielt´s Fußball. Es ist egal was, aber draußen ist´s einfach spannender als drin am Rechner, Handy oder der Spielkonsole. Wenn wir stundenlang am Rechner sitzen, empfinden wir es eher als einen verlorenen Tag, Sowohl wir als auch unsere Kinder haben an einem solchen Tag nichts erlebt. Ganz anders ist es, wenn wir im Garten etwas gebaut oder gepflanzt haben.

Wir Eltern merken es daran wie unterschiedlich Kinder über einen Tag draußen oder drinnen berichten. Wir müssen ihnen nur die Masse an Möglichkeiten aufzeigen. Von selbst kommen sie leider selten auf gute Ideen. Wenn wir das aber richtig machen, gibt es kaum noch quälend lange Ausflüge.

Wegbeschaffenheit für Kinder

Wie sollten nun die Wege für Kinder beschaffen sein? Wie beschrieben natürlich sehr abwechslungsreich, aber nicht allzu steil. Je steiler der Weg, desto anstrengender. Bei Mehrtagestouren geht das nicht immer. Auf Tageswanderungen sollten wir das allerdings grundsätzlich berücksichtigen.

Zudem sollte die Dauer dem Alter angepasst sein. Laut Deutschem Alpenverein sollte die maximale Länge bei 3- bis– 6-Jährigen nicht über 3 - 4 Stunden betragen, 6- bis 10-Jährige sollten nicht länger als 5 Stunden wandern, darüber hinaus werden bis zum 14. Lebensjahr vom DAV Gehzeiten von maximal 7 Stunden empfohlen. Je älter, desto anspruchsvoller können die Wege natürlich auch unter technischen Gesichtspunkten werden. Die Angaben sind allerdings kritisch zu betrachten. 3 Stunden sind schließlich für einen 3-Jährigen deutlich heftiger als 4 Stunden für einen 6-Jährigen. Deshalb beobachtet Eure Kinder genau, um sie nicht zu überfordern.

Wasser ist immer ein Thema. Je mehr Wasser desto spannender kann man fast sagen. Da spielt es kaum eine Rolle, ob es ein Bergbach ist oder ein See. Es regt ruckzuck die Phantasie an und die Kinder legen mit Eifer los einen Staudamm zu bauen, Stöcke hineinzuwerfen oder auch Steine zu versenken. Mit der Aussicht hinterm Hügel einen See anzutreffen, steigt ihre Motivation nach einer Flaute schnell wieder an. Das Weiterlaufen nach dem See fällt dann schwer. Aber keine Bange, das Wasser ist schnell vergessen, wenn die Geschichte auf dem Weiterweg gut ist.

Sicherheit

Es gibt diesen Glaubenssatz, dass Kinder nie rennen oder vorauslaufen dürfen. Und ja, da ist was dran, aber nicht immer und nicht überall. Wenn die Wege bekannt und einfach sind, dürfen sie natürlich vorweg laufen. Auch auf unbekannten Wegen, deren Verlauf dennoch klar erkennbar ist und auf denen keinen Gefahren drohen. Ansonsten sollten sie immer in unserer Nähe bleiben. Aber wir sollten als Eltern nicht zu ängstlich sein. Kinder und Jugendliche können in der Regel mehr, als wir ihnen zutrauen. Sie können ihre Fähigkeiten oft sehr gut selbst einschätzen (wenn auch oft nur intuitiv) und verfügen über ein gutes Körpergefühl. Selbst Vierjährige meistern schwierige Abschnitte in den Bergen oft genauso gut oder sogar besser als die Eltern. Während die Eltern an der einen oder anderen Stelle überlegen, wie sie da jetzt wohl runterkommen, drehen sich die Kleinen wie selbstverständlich rum und gehen rückwärts, was auch oft die richtige Art und Weise für Erwachsene wäre.

Wenn wir als Erwachsene also das Gefühl haben, dass die Kinder nicht in der Lage sind, sicher zu laufen, dann mag das im Einzelfall zutreffen. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass die Eltern in der Vergangenheit zu ängstlich waren, denn von sich aus, sind Kinder nicht unsicher oder gar zögerlich. Das heißt jetzt nicht, dass jeder Weg machbar ist. Wege an absturzgefährdeten Steilhängen sind tabu, bzw. sollten die absolute Ausnahme sein, wenn es gar nicht anders machbar ist. Da von oben auch Steilschläge drohen könnten, müssen wir den Blick auch nach oben richten. Um es in aller Deutlichkeit an dieser Stelle zu sagen: den absolut sicheren Weg gibt es nicht. Das Leben bringt in jeder Lage Gefahren mit sich. Für uns und unsere Kinder. Wege werden nicht so abgesichert, dass Kindern nichts passieren kann. Und selbst den vorhandenen Sicherheitseinrichtungen sollte man nicht grundsätzlich vertrauen. Ein Holzgeländer in den Alpen oder auch die dazugehörige Holztreppe kann derart morsch sein, dass ein zu festes Anlehnen nicht mehr möglich ist oder das Brett unter den Füßen bricht – da ist Wachsamkeit angebracht.

Und nun?

Die Kinder müssen, wie wir, lernen damit umzugehen. Sie werden über kurz oder lang einen Instinkt für Gefahren entwickeln und entsprechend verantwortlich handeln. Es ist unsere Aufgabe sie zu sensibilisieren und ihr Selbstvertrauen zu stärken.

Dazu gehören auch einige wenige Regeln:

  • Immer in Sichtweite bleiben
  • Nicht ohne Erlaubnis rennen oder vorweglaufen
  • Wege nur nach Rücksprache mit den Eltern verlassen
  • Vor schwierigen Abschnitten warten und gemeinsam Ab- bzw. Aufsteigen bzw. vorher die Teilstrecken besprechen

Voraussetzung für diese Regeln ist Akzeptanz. Diese können wir nur erreichen, wenn wir den Kindern zwischendurch Pausen und das Herumtoben ermöglichen.

Spielerisch wandern

Hier ist die Kreativität von uns Eltern gefragt. Aus fast allem lässt sich eine Geschichte basteln. Beim Drachenweg ist´s noch einfach, ebenso bei der Bärenfalle. Aber auch umgestürzte Bäume und Felsen bieten Potential für Geschichten. Eine kurze, vorherige Recherche reicht oft aus, um sich bereits vorab ein paar Gedanken zu machen.

Geocaching kann auch eine super Motivation für die Kinder sein. Denn gemeinsam suchen wir einen Schatz, der oft unter Laub oder Wurzeln etc. versteckt ist. In den bekannten Suchmaschinen findet Ihr eine Menge Ideen dazu.

Erschöpfung

Wenn Eure Kinder nun trotz aller Bemühungen wirklich keine Lust mehr haben oder tatsächlich nicht mehr können, helfen nur zwei Dinge: entweder müssen wir sie dann tragen oder den Weg abkürzen (Plan B). Denn nichts bleibt bei einer Wanderung schlimmer haften, als lange weiterlaufen zu müssen- mit alle negativen Konsequenzen für die Zukunft.

Mehrtagestouren

Zur Königsdisziplin für Familienwanderungen gehören natürlich die Übernachtungen auf Hütten. Mit anderen Kindern zusammen in einem Raum übernachten ist einfach spannend. Die Hütten sind oft urig, bieten auch Essen an, welches Kinder mögen.

Um es hier aber ganz klar zu sagen: Bei Mehrtagestouren lassen sich unsere Tipps nicht so gut umsetzen. Manchmal ist der Weiterweg etwas zäh. Da ist dann Phantasie gefragt. Deshalb sind auf unseren Wegen für Familien die einzelnen Teilstrecken oft auch sehr kurz gehalten.