Der Wanderschuh ist eine Philosophie für sich
– oder warum tragen Italiener andere Wanderschuhe als Deutsche?

Im deutschen Sprachraum ist es sehr weit verbreitet auf einer Hüttentour, einer Alpenüberquerung oder einer Tageswanderung mit Wanderschuhen der Kategorie B/C zu wandern. Hierbei handelt es sich um knöchelhohe Schuhe mit einer steifen Sohle. Im italienischen Sprachraum sieht man diesen Typ Schuhe zum Bergwandern immer weniger. Warum? Diese Frage bleibt offen. Wir wollen jedoch etwas Aufklärung bzgl. dieser Kategorien betreiben.

Die üblichen Kategorien von Wanderschuhen und Bergschuhen in A, B, C und D stellt für Dich zunächst eine Hilfe bei der Auswahl des richtigen Schuhwerks dar. Diese Angabe bezieht sich jedoch fast ausschließlich auf die Steifigkeit der Sohle und lässt außer Acht, mit wieviel Gepäck Du unterwegs bist, welche Erfahrung Du hast und z.B. wie gut Deine Muskulatur trainiert ist. Je höher die Kategorie desto härter die Sohle, desto höher der Schaft. Schuhe der Kategorie A werden für leichtes Trekking empfohlen; Schuhe der Kategorie D sind sehr steife Hochtourenschuhe, die für die Befestigung von Steigeisen und somit für das Begehen von Gletschern geeignet sind. Dazwischen sind die Übergänge fließend. Nahezu alle Anbieter fordern für eine Alpenüberquerung ausschließlich Schuhe der Kategorie B/C. Wir fordern diesen Schuhtyp jedoch explizit nicht - wir empfehlen ihn.

Viele Bergführer, Bergwanderführer werden von den Teilnehmern gefragt, warum sie denn mit so 08/15 Halbschuhen (wobei diese alles andere als 08/15 sind) rumlaufen, während sie selbst mit schweren Bergstiefel laufen sollen. Die Guides sind in aller Regel überdurchschnittlich trittsicher und haben eine sehr gut trainierte Muskulatur, die ihnen das Tragen solcher Schuhe ermöglicht. Wer also von Euch z.B. Trailrunning im Schwarzwald oder im Sauerland macht, darf nach Rücksprache auch gerne auf einem vernünftigen Zustiegsschuh zurückgreifen. Wichtig dabei ist eine gute Sohle. Der Markführer ist hier Vibram - gelbes Achteck in der Sohlenmitte. 

Bzgl. des hohen Schaftes möchten wir noch auf folgenden Irrtum hinweisen: Viele glauben das ein hoher Schaft, der deutlich über die Knöchel hinausragt ein Umknicken verhindert. Je nachdem wie stark die Belastung ist, knickt man auch mit einem solchen Schuh um. Bei geringer Belastung wird das Umknicken allerdings oft verhindert. Auf jeden Fall bieten hohe Schuhe einen besseren Schutz vor Steinkontakt jeder Art.

Die Membran der Wanderschuhe

Kommen wir zum letzten Punkt bei der Schuhauswahl: Die Membran - ja oder nein. Darauf gibt es keine klare Antwort. Viel hat es mit dem persönlichen Gefühl zu tun. Behagt einem der Gedanke sehr, dass von außen kein Wasser eindringen kann - dann mit Membran. Ansonsten gilt, sobald man relativ häufig bei nassem, regnerischem Wetter unterwegs ist, empfiehlt sich ein Schuh mit Membran. Insbesondere, wenn ein nächtliches Trocknen nicht immer möglich ist. Einsatzgebiete sind: mehrtägige Hüttentouren, Alpenüberquerungen, Gletscherbegehungen, nassfeuchte Klimata, Skandinavien (Sumpf) oder auch winterliche Unternehmungen.

Schuhe ohne Membran (also mit Lederfutter) passen sich dem Fuß besser an. Sie sind meist bequemer und haben ein angenehmeres Fußklima, sind jedoch selbst bei bester Pflege nie wasserdicht. Aber Achtung: auch die Füße in Schuhen mit Membran werden zumindest feucht – und zwar durch den eigenen Schweiß.

Einsatzgebiete für einen Schuh ohne Membran sind daher z.T. die gleichen: mehrtägige Hüttentouren, Alpenüberquerungen, nassfeuchte Klimata (mit der Möglichkeit, täglich zu trocknen), außeralpine Mehrtagestouren in trockenen Bergregionen (z.T. Südamerika).

Hier noch einmal mögliche Einsatzgebiete:

mit Membran ohne Membran
  • Hüttentouren
  • Alpenüberquerungen
  • Gletscherbegehungen
  • nassfeuchte Klimata
  • Skandinavien (Sumpf)
  • winterliche Unternehmungen
  • Hüttentouren
  • Alpenüberquerungen
  • nassfeuchte Klimata (mit Option täglich zu trocknen)
  • außeralpine Mehrtagestouren in trockenen Bergregionen (z.T. Südamerika).

Alter Schuh – neue Sohle?

Viele von Euch haben im Keller noch einen rel. alten Wanderschuh stehen und möchten mit diesem losziehen. Davon raten wir dringend ab. Die Schuhe sehen nach wie vor top aus, sind es aber nicht. Das Problem befindet sich im nicht sichtbaren Teil. Es ist nämlich der „Kleber“ zwischen der Sohle und dem eigentliche Schuh. Dieser Kleber verliert nach einigen Jahren (ca. 5-8 Jahre) seine Eigenschaft. Dies zeigt sich oft bereits am ersten oder zweiten Tag. Die Sohle löst sich und Ihr braucht neue Schuhe, da eine Reparatur über Nacht nicht möglich ist. Um dieses rel. häufige Problem zu umgehen, lasst Ihr Eure Schuhe vom Händler einschicken oder wendet Euch direkt an den Hersteller. Die meisten Schuhe können gegen ca. 1/3 des Neupreises neu besohlt werden. Dann halten diese wieder viele Jahre. 

Vor und Nachteile von Zustiegsschuhen und hohen Wanderschuhen im Überblick

Niedriger Zustiegsschuh

Vorteile Nachteile
leicht relativ schlechter Schutz vor Nässe
relativ günstig kein Schutz gegen seitliches Umknicken
vielseitig einsetzbar kein Schutz vor Steinkontakt jeglicher Art im Bereich des Knöchels
beweglich kaum Schutz gegen Eindringen von Schnee
trocknet relativ schnell selbst mit Membran dringt von oben Wasser ein

Vor und Nachteile von Zustiegsschuhen und hohen Wanderschuhen im Überblick

Hoher Wanderschuh

Vorteile Nachteile
relativ guter Schutz vor Nässe – mit Membran absolut wasserdicht relativ schwer
sehr guter Schutz des Knöchels vor Steinkontakt jeglicher Art teuer (vernünftig erst ab ca. € 250,--)
guter Schutz gegen Eindringen von Schnee trocknet relativ schlecht
bedingter Schutz gegen seitliches Umknicken eingeschränkter Einsatzbereich (viel Gepäck oder alpines Gelände)
  relativ steif

 

Die richtigen Kinderschuhe für die Wanderung

Für Kinderschuhe gilt grundsätzlich das gleiche wie bei den Schuhen für Erwachsene. Der Hauptunterschied ist jedoch, dass die Auswahl an Wanderschuhen für Kinder deutlich geringer ist und sich die Frage nach der Wasserdichtigkeit noch stärker stellt. Denn nichts ist schlimmer als kalte Füße über einen langen Zeitraum. Nun könnte man meinen, dass es logischerweise Schuhe mit Membran für die Kinder werden sollen, aber weit gefehlt. Es kommt auch hier darauf an, was Du wo und wann mit Deinen Kindern unternimmst und wie sie sich in der Nähe von Gewässern verhalten. Sofern sie in jedes Wasser reinspringen, nutzt auch kein Schuh mit Membran etwas, weil es oben reinläuft. Hier macht einfach ein zweites Paar (das dann nur für eine kurze Zeit getragen wird und daher auch leicht sein darf) Sinn. Dann darf allerdings ein zweites Paar Socken auch nicht fehlen.

Bedingt geeigneter Schuh:

Die flachen Schuhe sind dann geeignet, wenn die Kinder viel im Gelände unterwegs sind und auch sonst gute Erfahrung damit gemacht haben. Wichtig sind die hohe Steifigkeit der Sohle und eine gewisse Sohlendicke, damit keine spitzen Steine etc. zu spüren sind.

Gut geeigneter Schuh:

Diese Schuhe stellen für Kinder das Maximum dar. Uns sind auf dem Markt keine bekannt, die bei z.B. Größe 32 höher über den Knöchel ragen. Der Schaft ist dennoch ausreichend hoch genug, weil Kinder weniger umknicken, bzw. es schnell abwenden können. Wichtig sind auch hier die Steifigkeit und die Dicke der Sohle, damit ein ermüdungsfreies Wandern gelingt.

Beispiele für die jeweiligen Schuhtypen

Sohle:

Rutschfeste und griffige Sohle
So schaut die ideale Sohle aus. Ein achteckiges Zeichen (Vibram), deutet grundsätzlich auf eine sehr hochwertige Sohle, bzw. Schuh hin. Natürlich gibt es noch andere Sohlenhersteller. Das Profil sollte dem hier abgebildeten jedoch sehr ähnlich sein.

Zustiegsschuh:

Bedingt geeigneter Schuh
Zustiegsschuhe sind bedingt geeignet für Personen, die es gewohnt sind regelmäßig mit solchen Schuhe auch in unebenen Gelände zu laufen, deren Bänder entsprechend trainiert sind. Wichtig ist die Steifigkeit der Sohle.

Bergschuh Kategorie B:

Bedingt geeigneter Schuh
Diese Schuhe sind ebenfalls bedingt geeignet. Oft gehen die Schuhe nicht komplett über den Schaft, bzw. haben eine zu weiche Sohle. Unter Umständen spürt man die Steine durch die Sohle hindurch, was zu Schmerzen am Ende des Tages führen kann.

Bergschuh Kategorie B/C:

Der idealer Schuh
Dieser Schuh erfüllt ideal alle erforderlichen Bedingungen -griffige, rutschfeste und genügend steife Sohle, deutlich über den Knöchel ragend, perfekt zu schnüren, umlaufender Gummischschutz. Das wichtigste ist jedoch auch bei diesem Schuhe: er sollte in Summe sehr bequem und dennoch fest sitzen.

Bergschuh Kategorie D:

Reiner Hochtourenschuh - nicht geeignet
Dieser Schuh ist für Wanderungen absolut ungeeignet. Der Schaft und die Sohle sind viel zu steif. Der Schuh ist zudem zu schwer für reine Wanderung. Der Schuh ist ideal geeignet für sommerliche Hochtouren inkl. langer Gletscherbegehungen.

Und jetzt? Ab ins Fachgeschäft! Dort werdet Ihr vernünftig beraten. Kauft die Schuhe am besten nachmittags, probiert verschiedene an, tragt dabei bereits die Socken, die Ihr auch bei der Tour tragt. Wählt am besten Schuhe der Kategorie B/C aus. Ein guter Schuh bietet mehr Sicherheit, verringert das Verletzungsrisiko und schont die Gelenke. Blasen führen je nach Ausprägung zu heftigen Schmerzen und zwingen unter Umständen zum Abbruch der Tour. Am Ende noch ein kleiner Tipp: zu lange Zehennägel verursachen Schmerzen bei längeren Abstiegen und führen evtl. zu leichten Traumata, die sogar das Eindringen eines Nagelpilzes erleichtern können.

Falls Ihr nicht weiterkommt, ruft einfach nochmal vorher an unter 08364 / 98 53 722.