Bevor wir tiefer in die Thematik der Skitourenausrüstung eintauchen -  vorab ein kleiner allgemeiner Hinweis: Skitourengehen beziehungsweise Skibergsteigen hat mit Skifahren auf der Piste in etwa so viel zu tun, wie Mountainbiken mit Rennrad fahren.

Daher unterscheidet sich die Skitourenausrüstung auch erheblich zu der für das Skifahren auf der präparierten Piste. Zum einen ist eine komplette Skitourenausrüstung deutlich leichter, mit schwerem Gepäck fällt das Skitourengehen auch schwerer. Die Skitourenbindung an sich ist teilweise winzig klein und Du brauchst zum Aufsteigen zusätzlich ein Skitourenfell unter den Skiern. Dabei hilft Dir auch kein Lift. Dazu kommt für eine vollständige Skitourenausrüstung eventuell noch ein sogenannter Lawinen-Airbag-Rucksack, eine Sonde, eine Lawinenschaufel und ein Lawinen-Verschütteten-Suchgerät (LVS Gerät). Noch ein paar Stöcke und Skitouren-Schuhe dazu und es kann losgehen. Oder? Wenn das mal so einfach wäre, denn es fehlen vielleicht ja noch das Erste-Hilfe-Set, die notwendige Erfahrung oder eventuell ein Kurs und einiges mehr.

Also gut, rein ins Geschäft und alles auf einmal kaufen, so könnte die Devise lauten. Bei einer komplett neuen Skitourenausrüstung kannst Du aber locker € 2.500 oder schnell auch deutlich mehr ausgeben. Es geht aber auch für deutlich weniger, deshalb gibt’s jetzt hier ein wenig Aufklärung zur richtigen Skitourenausrüstung.

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Grundausrüstung für’s Skitourengehen: Der richtige Ski für die Skitourenausrüstung

Gibt es überhaupt den richtigen Ski?

Nein, den einen richtigen Skitourenski gibt es nicht. Jahrelang konntest Du lesen: Körpergröße minus 10-15 cm. Das ist aber zu pauschal, denn die Länge hängt beim Skitourengehen nicht nur von Deinem Können bei der Abfahrt, sondern auch vom Aufstieg ab. Wenn Du nicht so gelenkig bist, ist ein kürzerer Ski im Aufstieg deutlich besser, obwohl aufgrund Deines Könnens in der Abfahrt der längere Ski geeigneter wäre. Auch hängt die Wahl der richtigen Breite davon ab, welche Art von Skitouren Du vermutlich gehen möchtest. Skitourenski gibt es nach wie recht schmal, allerdings auch mit einer Breite von 110 mm unter der Bindung. So breit ist kein Pistenski. Wenn Du die Skier öfter transportieren oder an Deinen Rucksack montieren möchtest, dann ist es auch eine Überlegung wert, einen eher kurzen und leichten Ski zu wählen. Natürlich entwickelt sich die Industrie weiter und hat es geschafft, dass ein Ski mit 100 mm Breite unter der Bindung bei gleicher Länge heute dasselbe Gewicht aufweist, wie ein 80 mm Ski vor 10 Jahren.

Als grobe Richtlinie lässt sich sagen:
Anfänger: lieber etwas schmaler und 10 - 15 cm kürzer als die eigene Körperlänge
Fortgeschrittene: mittlere Breite und ca. 5 -10 cm kürzer als eigene Körperlänge
Könner: mittelbreite bis breite Ski & maximal 5 cm kürzer oder länger als der eigene Körper
Dazwischen ist alles möglich.

Gute Beratung ist entscheidend bei der Wahl des richtigen Skis

Bis vor wenigen Jahren galt beim Skitourengehen noch die Devise: kurze Ski sind im Gelände wendiger und deshalb die bessere Wahl. Heute nutzen viele beim Skibergsteigen breite und lange Ski, um besser im Neuschnee oben aufzuschwimmen. 

Es ist wie überall, wo sich Vorteile finden, gibt es auch Nachteile. Folglich ist gerade beim ersten Kauf eine gute Beratung wichtig. Ermöglichen der kurze Ski im Aufstieg eine hohe Wendigkeit, bedeutet das in der Abfahrt meist einen geringeren Abfahrtskomfort und die Ski kommen nicht so leicht im Tiefschnee nach oben. Beim langen und breiten Ski verhält es sich tendenziell umgekehrt, daher gilt es hier nach ausführlicher Beratung die richtige Entscheidung für Deine persönliche Skitourenausrüstung zu treffen.

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Welche verschiedenen Arten von Skitourenski gibt es?

Zwischen langen und kurzen Skiern gibt es natürlich noch weitere verschiedene Typen bei Tourenskiarten:

  • Der Allrounder
    Bei einem optimalen Verhältnis von Gewicht und Breite kommst Du super bergauf. Auch die Abfahrt gelingt mit diesen Skiern sehr gut. Geeignet vom Neuling bis zum alten Hasen. Mit diesem Ski bist Du für Deine Skitour in den Alpen – egal wo – gerüstet. Vom Hausberg bis zur Skidurchquerung ist alles möglich.
  • Der aufstiegsorientierte Ski
    Der Ski für Konditionsstarke. Skibergsteigen der besonderen Art könnte man meinen. Weit gefehlt. Hier darf zwar kein Gramm zu viel dran sein, denn das Ziel ist der schnelle Aufstieg. In der Abfahrt bieten diese Ski keine ganz so gute Performance. Aber auch diese sind vom Hausberg bis zu den ganz großen Skitouren in den Alpen geeignet.
  • Der Freeride Ski
    Du bist powdersüchtig und nutzt auch ab und an den Lift. Dann sind das die Skier für Deine Skitourenausrüstung. Die erste Line soll dir gehören. Lange Turns, steile Flanken, enge Rinnen sind Dein Metier. Das bisserl mehr Gewicht stört Dich im Aufstieg nicht. Auch mit diesen Skiern bist Du auf dem Hausberg und der ganz großen Tour gut aufgehoben. Für eine Durchquerung ist es je nach Gewicht dann vielleicht doch ein wenig viel.
  • Der Racer
    Ein Ski für wenige. Du steigst mit dem Rennanzug auf und hast dabei vielleicht schon den Helm auf? Oben hast Du keine Zeit für eine Brotzeit? Training, Training, Training steht bei Dir ganz oben an. Dann ist es Dein Ski. Leicht bis zum Geht nicht mehr, darfst Du von diesem Ski in der Abfahrt jedoch keine Wunder erwarten.

Natürlich sind die Grenzen hier fließend. Für den einen sind 97 mm unter der Bindung schon ein Freerideski, für den anderen noch ein Allrounder. Bezüglich des Gewichts zählt zudem nicht nur der Ski an sich. Für das Gesamtgewicht fehlen schließlich noch die Skitourenbindung und die passenden Schuhe, das Skitourenfell, die Stöcke etc.

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Was ist wichtig für Deine richtige Skitourenausrüstung?

Das Skitourenfell für den Aufstieg

Das Skitourenfell unter dem Ski dient dazu, dass Du bei der Skitour im Aufstieg nicht zurückrutschst. Es gibt reine Kunstfaserfelle und welche aus Mohair (Haare der Angoraziege). Die Gleiteigenschaften reiner Mohair Felle sind gerade bei intensivem Gebrauch und bei Kälte deutlich besser als die von synthetischen Fasern. Allerdings verschleißen sie schneller als Kunstfaser Felle, daher gibt es auch Mischgewebe aus Mohair und Polyester.

Die meisten Skitourenfelle sind Klebefelle. Sie werden also vor der Skitour auf den Ski geklebt und an Skispitze & -ende mit Ösen zusätzlich befestigt. Die Skitourenfelle lassen sich, ohne dass Klebstoff auf dem Ski zurückbleibt, entfernen. Mittlerweile gibt es auch Adhäsionsfelle ohne Kleber. Diese verlieren jedoch recht häufig die Haftung und haben sich noch nicht durchgesetzt.

Welche Skitourenbindung ist die beste für das Skibergsteigen?

Skibindung ist nicht gleich Skitourenbindung. Eine Bindung für einen Skitourenski zum Skibergsteigen hat mit einer Bindung für Pistenski nur eines gemeinsam: Beide halten den Schuh fest auf dem Ski – und das auch nur bei der Abfahrt. Während des Aufstiegs mit den Tourenskiern lässt es jede Art Skitourenbindung zu, dass Du die Schuhe an der Ferse hochziehen, also gehen kannst. So schiebst Du nun die Ski in unberührtem Gelände idealerweise bis zum Gipfel. Kurz vor dem Ziel wächst beim Skitourengehen die Vorfreude auf die Abfahrt. Doch bevor es losgeht, gibt es noch ein paar Dinge zu erledigen. Die meisten haben beim Skibergsteigen die Schnallen der Skischuhe im Aufstieg recht locker eingestellt. Vor der Abfahrt schließt Du nun die Schnallen der Schuhe und den Mechanismus, der ein leichtes Aufsteigen ermöglicht hat. Du entfernst das Fell und stellst die Bindung auf Abfahrt um. Jetzt steigst Du ähnlich wie beim Pistenski in die Bindung und der Spaß kann beginnen.

Die zwei Bindungstypen der Skitourenbindung:
Zu beachten sind bei den Skitourenbindungen zwei unterschiedliche Systeme. Es gibt Skitouren-Bindungen, die aus einem Rahmen bestehen, der die Schuhe permanent komplett fixiert und bei denen Du bei jedem Schritt den hinteren Bindungsbacken mit anhebst.
Vorteil: Ähnlich stabil wie eine Pistenbindung.
Nachteil: schwer.
Geeignet für: Freerider, die immer wieder auch die Lifte zum Aufstieg mit integrieren. Der Z-Wert ist immer einstellbar – ähnlich wie bei einer Pistenbindung. Aufgrund des Gewichtes verlieren diese Bindungen seit Jahren jedoch deutlich an Marktanteil.

skibindungen 3Der zweite Typ Skitourenbindungen sind die rahmenlosen Bindungen: Hier ist der hintere Bindungsbacken auf dem Ski montiert. Du musst also beim Gehen kein Gewicht der Bindung mit hochziehen.
Vorteil: leicht.
Nachteil: die Skischuhe können für die Abfahrt nicht so gut fixiert werden. Zudem ist bei vielen Bindungen der Z-Wert nicht einstellbar.

Auch wenn alle Bindungen – egal ob auf Piste oder auf Skitour – immer mal wieder an Ihre Grenze stoßen, halten wir Bindungen mit einstellbarem Z-Wert für die bessere Wahl. Wir empfehlen daher die rahmenlosen Bindungen von Fritschi: Tecton 12 und Evo 12. Wenn Du auf Sicherheit bedacht bist, dann sind diese Bindungen die beste Wahl. Nur bei diesen erhältst Du vom Fachhändler ein Einstellprotokoll.

Welcher ist der perfekte Skischuh für Deine Skitourenausrüstung?

Welcher Skitourenschuh passt zu welcher Skitourenbindung? Diese Frage solltest Du nicht vernachlässigen beim Neukauf deiner Skitourenausrüstung oder beim Nachkauf einzelner Elemente. Idealerweise kaufst Du Schuhe, Bindung und Ski zusammen. Das wird jedoch meist nur bei der Neuanschaffung der Fall sein. Diese drei Ausrüstungsgegenstände sollten bei der Skitourenausrüstung möglichst optimal zusammenpassen. Die meisten Skitourenschuhe und Bindungen sind zwar mittlerweile kompatibel, aber eben nicht alle. Und eine ultraleichte Bindung auf einem schweren Ski macht auch keinen Sinn.

Ist der leichteste Skitourenschuh auch der beste? Nicht unbedingt. Sehr leichte Schuhe sind im Aufstieg sehr bequem und dafür sicherlich die beste Wahl. Sie verfügen jedoch oft nur über eine oder zwei Schnallen und bieten dann nicht die Abfahrtperformance wie ein 4-Schnallen-Schuh. Diese sind dann natürlich schwerer. Der Unterschied zwischen diesen beiden Typen kann über 1 kg pro Schuh betragen. Es gibt mittlerweile aber auch Skitourenschuhe mit 4 Schnallen, die leichter sind als 3-Schnaller vor 10 Jahren. Das Gewicht hat sich so enorm reduziert, dass Du unter Umständen auch mit einem solchen Skitouren Schuh gut leben kannst (sofern Du nicht zu den rein aufstiegsorientieren Skitourengehern gehörst). Letztendlich hilft hier nur anprobieren, um Deinen perfekten Skitouren-Schuh zu finden.

Und dann gibt es ja auch noch Schuhe, die exakt zwischen den beiden genannten Varianten liegen. Es nützt also nichts: Zunächst musst Du überlegen, was die wichtigsten Aspekte für Dich sind und die Schuhe anprobieren. Denn wenn der Skitourenschuh zwar leicht ist, aber Blasen verursacht oder drückt, nützt das leichteste Modell gar nichts. Probieren geht also hier tatsächlich über studieren.

Auf Skitour mit speziellen Skitourenstöcken?

Auf Skitour kannst Du zwar ganz einfache Stöcke nehmen, sinnvoller sind jedoch spezielle Skitourenstöcke. Diese haben einen größeren Teller, damit die Stöcke im Tiefschnee nicht so stark einsinken. Auch empfehlen sich Teleskopstöcke, die Du unterschiedlich lang einstellen kannst (im Tiefschnee etwas länger als bei Firn). Zudem haben die Skitourenstöcke oft verlängerte Griffe, wenn Du sie in steilen Hängen mal etwas tiefer anfassen musst. Es gibt drei- und zweiteilige Skitourenstöcke, entweder aus Carbon oder aus Aluminium. Carbon ist leichter - diese Skitourenstöcke verbiegen sich im Falle eines Falles jedoch nicht, sondern brechen. Umgekehrt verhält es sich bei den Stöcken aus Aluminium. Diese sind biegsamer aber schwerer. Von Skitourenstöcken mit integrierter Sonde raten wir ab, denn der Umbau vom Stock zur Lawinensonde dauert einfach zu lange.

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Sicherheit hat Vorrang: Skitourenausrüstung ohne Notfallset? Undenkbar!

Grundausstattung: LVS-Gerät, Sonde, Schaufel, Erste Hilfe Set
Zur absoluten Pflichtausrüstung auf einer Skitour gehören eine Sonde, ein sogenanntes LVS-Gerät, eine Schaufel und ein Erste-Hilfe-Set (letzteres solltest Du aber auch bei einer Hüttentour und anderen alpinen Unternehmungen immer dabeihaben). Moderne LVS-Geräte mit neuestem technischem Standard helfen dabei verschüttete Personen zu lokalisieren und führen Dich visuell – und mit einiger Übung – schnell an die richtige Stelle. Da diese Geräte jedoch die Position nicht absolut exakt anzeigen, sondierst Du den Verschütteten danach mit der Sonde. Nach dem Sondieren wird die verschüttete Person mit einer speziellen Lawinen Schaufel ausgegraben. Hersteller für all diese Gegenstände gibt es einige. Jedoch haben sich in den letzten Jahren nur zwei Hersteller herausgestellt, die bei den LVS-Geräten wirklich richtig gut sind, nämlich Pieps (der Hersteller heißt wirklich so) und Mammut Barryvox. Wir empfehlen Dir die Geräte von Mammut Barryvox, da wir diese für die besten Geräte halten. Alternativen findest Du in den Testberichten der Alpenvereine.

Egal wie: Ohne diese 4 Dinge hast Du auf einer Skitour nichts verloren. Aber denk dran: Das Suchen muss geübt werden. Leider erleben wir es auf unseren privaten Skitouren in Tirol immer wieder, dass viele Skitourengeher den Umgang mit der Skitourenausrüstung nicht beherrschen. Als noch wichtiger erachten wir es jedoch, dass Du gar nicht in die Lage kommst. Das richtige Lesen des Lawinenlageberichtes und das Erkennen der Gefahr sollte im Vordergrund stehen, um sicher auf Tour zu gehen. Dieses Wissen vermitteln wir zum Beispiel in unseren Skitourenkursen. Alternativ begibst Du Dich in professionelle Hände und gehst mit uns auf Skitour.

Der richtige Skitourenrucksack: mit Airbag?

Zum Schluss noch ein kleiner Hinweis, was neben Skitourenski, Skitourenbindung, Skitourenschuh, Skitourenstöcken und der entsprechenden Sicherheitsausrüstung noch wichtig für eine gelungene Skitour sein kann:

Der Lawinenrucksack mit Airbag

Lawinenrucksäcke erobern seit einige Jahren deutlich den Markt, obwohl es diese Systeme schon seit 1985 gibt. In ihnen steckt eine Art Airbag, der beim Lawinenabgang aktiv ausgelöst werden muss. Dadurch haben die Rucksäcke mehr Auftrieb und die Wahrscheinlichkeit einer kompletten Verschüttung wird deutlich reduziert. Die Rucksäcke kosten zwar ein Mehrfaches von einfachen Skitourenrucksäcken, erhöhen jedoch Deine Überlebenswahrscheinlichkeit. Weiter oben haben wir recht viel über das Gewicht der Ausrüstungsgegenstände geschrieben. Auch beim Rucksack spielt das Gewicht eine große Rolle – ein sogenannter ABS Rucksack kann durchaus 2,5 kg wiegen und damit deutlich mehr als ein Rucksack ohne dieses Sicherheitsfeature.
Die Rucksäcke gibt es von vielen verschiedenen Herstellern und in x-verschiedenen Größen. Eine detaillierte Beschreibung findest Du in unserem Extra Blog zum Thema Lawinenrucksack.

Aber auch wenn Du einen solchen Rucksack hast und auch den Rest der notwendigen Sicherheitsausrüstung aufweisen kannst: das A und O bleibt das Lesen und Verstehen der Lawinenlageberichte und das Erkennen der Gefahren im Schnee. Nur so können wir in eine sichere und gelungene Skitour starten.

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